Galina Dulkina - Update on Russian Avant-Garde

Wir freuen uns mitzuteilen, daß die Ausstellung von Porzellanskulpturen von Künstlerin Galina Dulkina - UPDATE ON RUSSIAN AVANT-GARDE - bis zum 10. März 2017 verlängert ist.

Die Arbeiten der Künstlerin sind in der Galerie Kabinett, Carmerstrasse 11, Berlin Mo-Fr von 12.00 bis 18.00 zu sehen.

Eintritt frei.

 

Постер Дулькина до 10 марта

Die Russische Avantgarde, die 2017 ihr 100-jähriges Jubiläum feiert, kann in ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Kunst kaum überschätzt werden. Für einige wenige Jahre waren politische und künstlerische Utopien einer neuen Gesellschaft zu einer Einheit verschmolzen. Ein Paradebeispiel hierfür sind die 1920 in Moskau gegründeten Höheren Künstlerisch-Technischen Werkstätten (russ. WChuTeMas) - eine legendäre staatliche Kunsthochschule der Moderne, das "russische Bauhaus", die sich den Ideen der Avantgarde verschrieben hat und nach einer revolutionären Erneuerung der Relation von Kunst und Alltag des neuen Menschen strebte. Anders als bei der elitären Akademiekunst zuvor, sollte von nun an ein jeder als "aktive Kraft" in den Produktionsprozess integriert werden können. Eine neue Perspektive auf die Kunst der Zukunft im technisierten Zeitalter entstand in Form der Produktionskunst: hier experimentierte man mit unterschiedlichen Materialien, Techniken und Gattungen unter dem Primat von Geometrie, Mathematik und Abstraktion. Besonders die Porzellankunst erlebte aufgrund der Vielzahl der bei ihrer Produktion notwendigen Schritte und Möglichkeiten einer Einbeziehung der Arbeiterschaft in den Herstellungsprozess einen enormen Popularisierungsschub. Genau diesem Wandel ist es zu verdanken, dass Porzellandesigner, die der Arbeiterklasse entstammen, wie Sergej Chekhonin und die Schwestern Natalia und Jelena Danko sich mit ihren Ideen weltweit Gehör verschaffen konnten.

Die 1981 in der UdSSR, heutigem Russland, geborene Galina Dulkina trägt diese Tradition der Produktionskunst der Russischen Avantgarde bis ins 21. Jh. fort und entwickelt diese weiter. Die Porzellankünstler der Produktionskunst hatten in ihrer kurzen Blüte nicht genügend Zeit, über den traditionellen Gebrauchskontext des Porzellans hinauszugehen. Indem Dulkina diese Formensprache der Avantgarde an die Gattung der Skulptur heranträgt, geht sie einen entscheidenden Schritt weiter und fordert das brüchige Material des Porzellans zu größeren Dimensionen in der Vollplastik heraus. Doch auch im Produktionsprozess ist Dulkina als Porzellankünstlerin eine Ausnahmeerscheinung. Jede einzelne Etappe der Herstellung vollzieht sie minutiös im Alleingang nach: vom Entwurf, über Rohstoffaufbereitung, Modellierung, Beschichtung, Trocknen, Brennen bis zur anschließenden Handbemalung in Aufglasur.

  Dulkina Stilyaga  Dulkina Juri der Musiker  Dulkina Geheimer Weg  Dulkina Mesusa case

In ihrem Werk präsentiert sie eine wache Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Generation - die Jugend der Perestroika, die sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR mit einer grenzenlosen Freiheit in allen Bereichen der Gesellschaft konfrontiert sah und diese auch in allen Zügen genossen hat. Rebellion gegen jedwede Zensur im Bereich der Kunst oder der Musik stand nicht mehr an der jugendlichen Tagesordnung - alles war frei zugänglich und anders als die Generation davor, hatte man die Ruhe, sich in alle erdenklichen Richtungen zu entfalten. Die Themen der Russischen Avantgarde - Errungenschaften im Bereich Industrie und Technik, Eroberung des Weltalls, Schnelligkeit der Wahrnehmung - sind in Dulkinas Werk auch weiterhin vertreten, werden jedoch auf eine besondere Weise mit der Populärkultur der 1990er Jahre (insbesondere russischer Rock und Barden) einerseits und Themen der jüdischen Folklore andererseits verwoben. Die Titel der einzelnen Werke übernehmen vor diesem Hintergrund eine wichtige Funktion.

Beim ersten Blick auf Dulkinas Porzellanplastiken erkennt man Form- und Raumkonzepte des Suprematismus (Malewitsch, Kandinsky), des Kubofuturismus (Popowa) oder des Konstruktivismus (El Lissitzky, Tatlin) wieder, die hier jedoch vielfach gebrochen und multipliziert werden, um neu arrangiert zu einer Einheit zu verschmelzen. Ihre Inspiration schöpft sie vor allem aus dem Bereich der Bronze- und Steinplastik der Moderne mit deren großen Pionieren Alexander Archipenko und Constantin Brancusi. Wie diese erforscht sie die Möglichkeiten des Umgangs mit Raum unter gleichzeitiger Verwendung eines sehr eigenwilligen und schwer kontrollierbaren Materials - des Porzellans.

Ihre klassische künstlerisch-handwerkliche Ausbildung erhielt Galina Dulkina an der Moskauer Staatlichen Stroganov Universität für Kunst und Industrie, welche ihren Abschluss und anschließende Qualifizierung im Bereich Autorenporzellan bei der St. Petersburger Kaiserlichen Porzellanmanufaktur fand. Heute lebt und arbeitet sie in Riga (Lettland) und Moskau (Russland).

Dulkinas Werk erfreut sich großer Beliebtheit in Kunstsammlerkreisen, zahlreiche ihrer Skulpturen sind in bedeutenden russischen und westlichen Privatsammlungen vertreten. Das Auktionshaus "Kabinett" hat dieses Potential bereits vor 10 Jahren erkannt und ihre Porzellanplastiken erfolgreich bei eigenen Auktionen versteigert.

Das Moskauer Jüdische Museum und Zentrum für Toleranz widmete ihr im Sommer 2016 eine große Personalausstellung unter dem Titel "Start It All Over! Porcelain of Galina Dulkina". https://www.jewish-museum.ru/en/exhibitions/start-it-all-over-porcelain-of-galina-dulkina-/

Die Ausstellung in den Galerieräumen des Auktionshauses "Kabinett" zeigt 35 Werke aus dem Zeitraum von 2007-2016 aus Porzellan, darunter in Aufglasur handbemalte Skulpturenkreationen und ebenso in Aufglasur bemalte Teller, sowie einige Mixed Media - Collagen.